RAUCH-NÄCHTE: URALTES BRAUCHTUM IN KAPRUN

Die Tage um den Jahreswechsel werden Rauch, Rauh oder Raunächte bezeichnet. Diesen Namen verdanken Sie dem Räuchern mit Baumharzen und Pflanzen.

Die 12 Nächte um die Jahreswende heißen ursprünglich Rauchnächte. Das " c" kam später abhanden und so ging der Begriff Rauhnächte in den Sprachgebrauch ein. Der Brauch des Räuchern hat seinen Ursprung in der Zeitrechung. Während das Mondjahr nur 354 Tage umfasst, zählt das Sonnenjahr 365 Tage.  Die fehlenden 11 Tage (12 Nächte) werden als “tote” Tage außerhalb der Zeit eingeschoben. 

Solchen Tagen sagt die Mythologie nach, dass sich die normalen Kräfte der Natur außer Kraft setzen und die bösen Geister erwachen. In vielen Kulturen werden deshalb magische Rituale üblich. Auch bei uns im Pinzgau werden diesen 12 Nächten der Tradition nach besonders viel Bedeutung beigemessen. In den Rauhnächten treiben böse Geister ihr Unwesen, haarige Gesellen erwachen zum Leben und die Menschen wandern mit Rauchpfannen durch Haus und Hof. Was es mit diesen Traditionen auf sich hat? Wir erklären es Ihnen.

Die Zeit der Rauhnächte im Salzbruger Land

Vom 25. Dezember bis zum 5. Januar ist die Zeit der Rauhnächte. Mancherorts werden diese auch Glöckelnächte, Innernächte oder Unternächte genannt. Dem Volksglauben zufolge geht es in diesen Nächten nicht mit rechten Dingen zu.

 

Die vier wichtigsten Rauhnächte in Kaprun

  • Die Thomasnacht (21. Dezember): Auch Zeit der Wintersonnenwende und die längste Nacht des Jahres – diese Nacht war ursprünglich dem ungläubigen Thomas gewidmet, einer der 12 Apostel Jesus von Nazaret
  • Die Christnacht (24. Dezember): In der sogenannten Virgilnach (vigil:wachen) Christi Geburtsnacht- in dieser Nacht wurde im katholischen Christentum die Nachtliturgie von Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden gebetet.
  • Die Silvesternacht (31. Dezember): Als Silvester wird der letzte Tag des Jahres bezeichnet, nach dem römisch-katholischen Heiligenkalender ist Papst Silvester der I. († 31.Dezember 335) der Tagesheilige.
  • Die 3-Königsnacht (5. Jänner): Das Dreikönigsfest, der Dreikönigstag oder die Theopanie wird heute auch als “Groß-Neujahr” bezeichnet. In Österreich wird dieser Tag auch als Weihnachtszwölfer bezeichnet (der 12. Tag nach dem 1. Weihnachtsfeiertag). Das Fest wird den drei Weisen aus dem Morgenland zugeordnet (Kasper. Melchior und Baltasar), in den Ostkirchen ist dies der Tag der Taufe Christi und Offenbarung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit (der Vater, der Sohn und der Heilige Geist).

Bräuche, Mythen und Sagen der Rauhnächte

Wäsche aufhängen? An Weihnachten und Silvester besser nicht!

Der Überlieferung zufolge sollte vor allem an Weihnachten und an Silvester über Nacht keine Wäsche an der Leine hängen. Denn darin könnten sich ungute Geister und negative Energien verfangen, die einem im folgenden Jahr Unglück bringen und das Leben erschweren. Aber das ist ja nicht so schlimm – Weihnachten und Silvester kann viel besser genutzt werden als Wäsche zu waschen.

Perchtenläufe zur Zeit der Rauhnächte

Perchten sind gruselige Gesellen, mit furchterregenden Masken, deren Körper in Fellkleider gehüllt sind und die mit lautem Glockengeläut und Ruten in den Händen durch die Ortschaften ziehen. Laut Volksmund vertreiben die schrecklichen Gestalten die bösen Wintergeister. Auch das Böse im Menschen vertreiben die Perchten durch einem leichten Schlag mit der Rute – somit sind sie eigentlich keine Ungeheuer, vor denen man sich fürchten muss, sie befreien einen eigentlich von bösen Geistern und bringen Glück mit sich.

Ausräuchern von Haus und Hof

Auch das Räuchern vom Haus und dem Grundstück ist in diesen Tagen und Nächten sehr beliebt. Hierbei ziehen Familien mit sogenannten „Rauchpfannen“, gefüllt mit Weihrauch oder diversen Gartenkräutern, durch die eigenen vier Wänden und über das Grundstück, um böse Geister auszuräuchern und Glück für das kommende Jahr ins Haus zu holen.

 

Erleben Sie die Pinzgauer Traditionen  - live vor den Türen des Kaprunerhofs.